Zwischen Fakten und Fiktion – Warum Menschen den Klimawandel leugnen

Trotz umfassender wissenschaftlicher Nachweise akzeptieren viele Menschen nicht, dass es den Klimawandel gibt. Was sind aus Sicht der Psychologie die Ursachen dafür, und welche Gegenmaßnahmen könnten helfen? Unsere Autorin hat sich für uns die wissenschaftliche Datenlage angeschaut.

two doors, one blue and one red

© Sebastian Lang, 2023

Klimaschutz ist sinnvoll und dringend nötig, daran besteht kein Zweifel. Oder doch? Tatsächlich muss man nicht lange suchen, um in der Politik, auf der Straße oder im Freundeskreis auf Menschen zu stoßen, die den Klimawandel anzweifeln und Maßnahmen zum Klimaschutz ablehnen. Die Klimawandelskepsis hat es auch, wenngleich wenig überraschend, in das AfD-Wahlprogramm geschafft. Aber warum leugnen Menschen den Klimawandel und wie lassen sie sich von dem ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nutzen von Klimaschutz überzeugen? 

Ursachen verstehen

Der erste Schritt ist es, die Gründe zu verstehen, deretwegen jemand trotz umfangreicher wissenschaftlicher Belege meint, den Klimawandel gebe es nicht. Laut Studien können dafür unterschiedliche Motive vorliegen: So kann hinter Klimawandelleugnung ein grundsätzliches Unbehagen gegenüber Veränderungen stecken. Der Klimaschutz stellt den Status quo in Frage, sodass einige Menschen befürchten, ihr Leben könnte sich zu sehr verändern. Andere wollen Angst und Hilflosigkeit vermeiden, die angesichts der Bedrohung durch die Klimaerwärmung aufkämen, wenn man von der Existenz des Klimawandels überzeugt wäre. Hinzu kommt, dass Menschen ungern ihre Ansichten hinterfragen und es daher einfacher ist, trotz wissenschaftlicher Ergebnisse den Klimawandel als Hirngespinst zu bezeichnen. Diese Tendenz wird verstärkt, wenn die Mehrheit im eigenen Umfeld ebenso denkt.

Und jetzt? 

Wie können Menschen trotzdem vom Klimawandel überzeugt werden? Aus Forschungsergebnissen lassen sich drei Lösungsansätze ableiten. Erstens: Kommunikation. Fakten allein reichen nicht aus, um Klimawandelleugner*innen umzustimmen. Das war zumindest meine Erfahrung, als ich vor der letzten Bundestagswahl mit einem AfD-Wähler über den Klimawandel sprach. Es könnte sein, dass ich nicht die richtige Person war, um ihn umzustimmen, oder dass ich die falschen Worte gefunden habe. 

Richtig kommunizieren: Fakten sind nicht alles  

Tatsächlich ist das Wie der Kommunikation ein entscheidender Faktor. Zu diesem Schluss kommen die schwedischen Forscher*innen Laila Mendy, Mikael Karlsson und Daniel Lindvall, die in einer Meta-Analyse Forschungsergebnisse zu verschiedenen Strategien gegen Klimawandelleugnung zusammengetragen haben. Der naheliegende Weg, Wissen über den Klimawandel zu vermitteln, erwies sich als nur bedingt geeignet. Zwar lassen sich Menschen häufig von Fakten überzeugen, wenn man ihnen nachvollziehbare Belege mitliefert. Ihre Grundhaltung zum Klimaschutz verändert sich dadurch aber meistens nicht. 

Am wirkungsvollsten ist Wissensvermittlung dann, wenn eine Person Falschinformationen zum Klimawandel korrigiert, der die Zielgruppe vertraut. Zum Beispiel akzeptierten in einer Studie konservative Menschen Informationen zum Klimawandel eher, wenn ein konservativer Politiker sie präsentierte. Darüber hinaus ist es wichtig, wie Informationen formuliert werden. Bestenfalls haben sie einen wirtschaftlichen Bezug. Auch ist es hilfreich, wenn negative Folgen des Klimawandels konkretisiert werden und Menschen verstehen, wie sich der Klimawandel in ihrer direkten Umgebung auswirken wird. Hierbei sollte auf eine empathische Haltung geachtet werden. Auf logische Fehler in der Argumentation hinzuweisen, kann ebenfalls wirkungsvoll sein.

Widersprüche auflösen 

Das führt uns zur kognitiven Dissonanz. Was bedeutet das? Generell wollen Menschen, dass sich ihre Ansichten und Verhaltensweisen nicht widersprechen. Wäre man z. B. vom Klimawandel überzeugt, wäre es schwieriger zu rechtfertigen, dass man trotzdem viel Fleisch isst oder Auto fährt. Um kognitive Dissonanz zu vermeiden, leugnet man lieber den Klimawandel.

Erfreulicherweise kann man sich die menschliche Abneigung gegen kognitive Dissonanz auch zunutze machen. So wurden Teilnehmende in einer Studie von 2019 mit folgendem Widerspruch konfrontiert: Warum schenken sie den Erkenntnissen der Klimaforschung keinen Glauben, vertrauen anderen Wissenschaftsbereichen aber ohne Zögern? Im Anschluss an diese Frage stieg das Vertrauen der Teilnehmenden in die Erkenntnisse der Klimawissenschaft an. 

Grundvertrauen stärken 

Vertrauen ist alles. Die Forschung zeigt, dass das Vertrauen der Menschen in wissenschaftliche Erkenntnisse durch Methoden der wissenschaftlichen Kommunikation erhöht werden kann: Beispielsweise ist es sinnvoll, Gefahren des Klimawandels zu visualisieren und für prognostizierte Werte (Temperatur, Meeresspiegel etc.) einen Schwankungsbereich anzugeben, um transparent zu machen, dass wissenschaftliche Vorhersagen immer mit einer Restunsicherheit einhergehen.

Akzeptanz des Klimawandels – und wie weiter?

Ein Schlüsselfaktor ist also, das Phänomen Klimawandelleugnung tiefgreifend zu verstehen. So können wir begreifen, was Menschen brauchen, damit sie den Klimawandel anerkennen können. Das Phänomen Klimawandelskepsis sowohl gesellschaftlich als auch psychologisch einzuordnen und mit dem politischen Dialog in Verbindung zu setzen, ist daher ein vielversprechender Weg, um die gesamtgesellschaftliche Unterstützung für Klimaschutz zu erhöhen.

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Literatur

Gehlbach, H., Robinson, C. D., & Vriesema, C. C. (2019). Leveraging cognitive consistency to nudge conservative climate change beliefs. Journal of Environmental Psychology, 61, 134-137.
Mendy, L., Karlsson, M., & Lindvall, D. (2024). Counteracting climate denial: A systematic review. Public Understanding of Science, 33(4), 504-520.
Wong-Parodi, G., & Fischhoff, B. (2015). The impacts of political cues and practical information on climate change decisions. Environmental Research Letters, 10(3), 034004.
Wong-Parodi, G., & Feygina, I. (2020). Understanding and countering the motivated roots of climate change denial. Current Opinion in Environmental Sustainability, 42, 60-64.

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